„Hier schreibt ein Mensch mithilfe der Maschine und nicht umgekehrt“

Warum ich mir gerade den Spruch „Hier schreibt ein Mensch mithilfe der Maschine und nicht umgekehrt“ als Motto für meine journalistischen Dienstleistungen ausgedacht habe, erkläre ich gern:

Viele Journalisten kritisieren, dass neuartige Nachrichten-Roboter bzw. -Bots aus Informationen und Daten eigenständig Nachrichtenmeldungen erstellen. Das würde ihre Jobs überflüssig machen. Tatsächlich findet man unter den englischen Begriffen „Automated journalism“, „Computational journalism“ oder „Data-driven journalism“ zig Versuchsprojekte und Diskussionen im Internet, die seit rund zehn Jahren für Aufruhr in der Medienlandschaft sorgen. In Deutschland spricht man zum Beispiel von „Roboterjournalismus“, „Textrobotern“ und „automatisierten Texten“ bzw. „automatisiertem Journalismus“.

Das US-amerikanische Unternehmen Google LLC beispielsweise förderte 2017 im Rahmen des Medienfonds „Digital News Initiative“ ein Projekt der britischen Nachrichtenagentur „Press Association“ (PA) namens „RADAR“ („Reporters and Data and Robots“). Ziel von RADAR sei es, dass „menschliche Reporter und künstliche Intelligenz mit Rückgriff auf Open Data ab 2018 Lokalnachrichten für die Agentur erstellen sollen“ laut Bericht Futurezone. In der Tat deuten Hinweise auf der Website von PA wie „automatically generated by our api feed“ darauf hin, dass automatisch generierte Storys, Meldungen, Nachrichten etc. gefertigt werden, die PA wohl als Service für seine Kunden anbietet.

Archivaufnahme aus der Zeit von 1999-2001, als ich in einer Berliner Anwaltskanzlei am PC arbeitete – Foto: Namira McLeod

Auf verschiedenen, öffentlich zugänglichen Medien-Websites zeigen sich jedoch hauptsächlich Meldungen zu den Themen Börse, Sport- und Wahlergebnisse, Verkehr und Wetter, also bei denen rund um die Uhr Zahlen und Daten verarbeitet werden müssen. Es geht somit um die Generierung von Inhalten aus strukturierten Daten durch Algorithmen. Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich, den Forschungsbericht „Automatisch interessant? Der Einfluss von Involvement auf die Wahrnehmung computergenerierter Texte“ von Mario Haim und Andreas Graefe zu lesen. Wer als Journalist bisher mit zahlenlastigen Meldungen sein Geld verdiente, könnte somit wirklich den Job verlieren.

Keine guten Aussichten für Start-ups, die als Journalisten durchstarten wollen, müsste man meinen. Weit gefehlt, denke ich. Denn Lokaljournalismus, dem ich mich seit Ende 2013 unter anderem verschreibe, ist seit circa einem Jahr schwer im Kommen.

Vielen Journalisten scheint zudem nicht klar zu sein, dass sie bereits seit Jahrzehnten mit „Maschinen“ zusammenarbeiten, genau genommen seit Einführung des ersten massentauglichen Personal Computers, mit dem man Texte verfassen konnte, von vor über 30 Jahren (siehe z.B. FAZ-Bericht). Dass sich Hard- und Software weiterentwickeln über die Jahre, war abzusehen. Auch Roboter sind längst keine Zukunftsvision mehr, wurden doch die ersten schon in den 1960er Jahren auf den Markt gebracht (lt. Wikipedia). Und künstliche Intelligenz ist auch nichts Neues.

Auch ich arbeite seit 1990 mit Computern (PC, Tablet, Notebook, Netbook) sowie mit Mobilfunkgeräten (Handys, Smartphones). Und wie oft habe ich mir insgeheim gewünscht, dass Roboter meine Schreibarbeit übernehmen, insbesondere Transkriptionen von Interviews – doch die gibt’s meiner Kenntnis nach bis heute nicht, weil zu viele Sprach- und Akzent-Faktoren eine fehlerfreie Verschriftlichung unmöglich machen.

Zugegeben, aufwendig recherchierte Berichte und Geschichten schreibe ich lieber selbst. Da spielen Wahrnehmung, Feingefühl, Persönlichkeit und weitere wichtige Aspekte eine Rolle. Würde eine „Maschine“ die Texte verfassen, käme der Inhalt meiner Meinung nach viel zu trocken und langweilig rüber.

Aber ich arbeite gern „mithilfe“ von Computern und Software, weil sie das flüssige Arbeiten einfach erleichtern. Daher habe ich auch keine Angst vor Robotern, dass sie mir den Job wegnehmen, sondern steuere darauf zu, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Außerdem bin ich fest davon überzeugt: Wer wie ich noch unter Menschen geht, sich vor Ort sein eigenes Bild macht und eigenhändig Texte schreibt, liegt voll im Trend und wird eines Tages der Pionier im Journalismus sein.

Dieser Artikel wurde am 12. Mai 2019 aktualisiert.